You miss hundred percent of the shots you never take
„You miss hundred percent of the shots you never take“Wayne Gretzky
Dieser Satz ging mir heute nicht nur einmal durch den Kopf. Wayne Gretzky bringt eigentlich einen grossen Teil der „Chur-Problematik“ auf den Punkt. Doch rollen wir das Ganze von vorn an auf.
Chur, 29. August 2010, 10:00 Uhr. Ein Pfiff ertönt in den Sportanlagen Obere Au und einige Zuschauer, die es aus dem Bett geschafft haben, werden Zeugen einer Premiere. Die Swiss Lacrosse League (SLL) macht im Bündnerland Halt. Das Eröffnungsspiel ist für die anwesende churer Bevölkerung gleichzeitig das Highlight des Tages. Das einheimische Team bekommt endlich die Möglichkeit, sich zu präsentieren.
Angesichts des Gegners wird die Euphorie bei Kennern der Lacrosse-Szene jedoch ein wenig gedämpft. Mit den Irouquois aus Herzogenbuchsee gastiert der aktuell 4. der SLL in den Bergen. Doch dies ist nicht einmal das Furchteinflössendste, weiss man in den Reihen der Berner doch die drei besten Scorer der Liga.
Das erste Faceoff gewinnt Juan und das frühe Erscheinen auf dem Spielfeld zur optimalen Vorbereitung scheint schon Früchte zu tragen. Der Ball wird gut laufen gelassen, landet schliesslich aber im Aus. Die Irouquois, welche sichtlich Mühe bekunden, ins Spiel zu finden, nehmen das Spiel auf die (zu) leichte Schulter. Allesamt spielen nicht auf der Höhe ihres Könnens und dürfen im 1. Quarter nur zwei Mal jubeln. Lucas Bame, einer aus dem Top-Scorer-Trio ist massgeblich an diesen Jubelmomenten beteiligt. Die wenigen Schüsse der Churer, welche den Weg zum Tor finden, pariert entweder der Torwart oder sie prallen an einem Defender ab.
Coach Kräft scheint in der ersten Pause die richtigen Worte gefunden zu haben. Beim Anpfiff zum 2. Quarter geht’s gleich wieder da weiter, wo man vor der Pause aufgehört hat. Vor allem läuferisch sehr starke Churer kämpfen um jeden Ball. Groundballs werden grösstenteils gewonnen, Strafen vermieden. Nico im Tor rettet einige Male mirakulös. Das die Irouquois, obwohl ihr Coach sich die Kehle heisser schreit, nicht zu ihrem Spiel finden, weckt auf der churer Seite Hoffnungen, doch mithalten und hier noch etwas holen zu können. Das Spiel erinnert an die 3-0 Niederlage (gegen Bern, d. Red.), als eine wache Defense den Grundstein für ein gutes Spiel lieferte. Trotz gutem Hustle, einigen sehenswerten Aktionen und vielen Angriffen fällt aber kein Tor.
Neues Quarter, gleicher Ablauf. Faceoff gewonnen, Ball laufen gelassen, läuferische Überlegenheit demonstriert, zwei kassierten Toren steht kein geschossenes gegenüber. 6-0 nach drei Quartern.
Das vierte Quarter ändert alles. Doch jene, die jetzt eine Besserung, ein Aufbäumen, einen letzten Kraftakt und einen Sieg für Chur erwarten, werden enttäuscht. Obwohl die numerische Überzahl (16 Churer gegen 12 Berner) sich bemerkbar macht, tun dies auch die individuelle Klasse, die Erfahrung und der Torinstinkt. Eindrücklich unterstreichen die Irouquois, was sie können. Unmögliche Pässe, starke Kombinationen und souveräne Abschlüsse. Der letzte Abschnitt des Spiels gestaltet sich zum Schaulaufen für die Gäste. Sie treffen insgesamt acht Mal. Die Churer müssen sich ihr Tor denken. Die grösste Chance hatte Juan, nachdem er das Faceoff (wie so oft an diesem Tag) gewann und nach einer Einzelaktion knapp vor dem Tor nur noch am sich in den Weg werfenden Defender aus Herzogenbuchsee scheiterte. Die Zuschauer, welche bis zum Schluss recht zahlreich erschienen, sahen ein Phasenweise gutes Spiel, bei welchem für die KSCler in der ersten Hälfte viel mehr drin gelegen wäre.
Gescheitert ist man schlussendlich an der eigenen Entschlossenheit und Fähigkeit, Tore zu schiessen, oder wie Mr. Gretzky sagen würde: we missed hundred percent of the shots we never took.
Der nächste Gegner ist kein Geringerer als die Lions aus Zürich, amtierender Schweizermeister. Am Samstag, 4. September, um 16:00 Uhr gilt es nun, gegen ebendiese Löwen mit gesenktem Haupt und spitzen Hörnern anzutreten und zu zeigen, dass wir das Tore schiessen doch beherrschen.
1…2…3…CHUR!
In den anderen Spielen auf Churer Boden schlagen die Spartaner aus Basel die fribourger Skunks, welche zum widerholten Male nicht zu reüssieren vermochten mit 6-3. Die Berner Titanen werden ihrem Namen gerecht und fertigen das Mixed Team der Saints aus Olten und Luzern mit 22-0 ab. Somit belegen die Churer Steinböcke den 8. Rang in der SLL-Tabelle und werden sich wohl am 18. September in Luzern mit den 9.-platzierten Saints um diesen Platz duellieren.







